Förderpreis der Agrarwirtschaft "W"


Foto: Natalie Färber

Dr. Eva-Marie Meemken, Harm Böckmann und Thiemo Buchner haben den Förderpreis der Agrarwirtschaft 2017 erhalten. Die agrarzeitung (dfv Mediengruppe) vergibt diese Auszeichnung jährlich an besonders engagierte und erfolgreiche junge Talente im Agribusiness. Eine schon renommierte Wissenschaftlerin, die die sozio-ökonomischen Zusammenhänge verstehen will und die Auswirkungen von Nachhaltigkeitsstandards unter die Lupe nimmt, ein kreativer Wurstnerd, der mit seinem Start-up Tierwohl entlang der Wertschöpfungskette transparent macht und gleichzeitig eine leckere Salami anbietet, sowie ein Technikfan, der mit kleinen vernetzten Robotern die Landwirtschaft revolutionieren möchte.
Die Themen der drei Preisträger, die auf dem traditionellen Gala-Abend der agrarzeitung (az) in Hannover ausgezeichnet wurden, sind sehr unterschiedlich. Die Jury zeigte sich beeindruckt von dem vernetzten Denken, dem Blick über den Tellerrand und dem Bestreben, sich für eine nachhaltigere Zukunft einzusetzen, sowie der praxisnahen Herangehensweise der drei Talente.



Nadine Wettstein

Nadine Wettstein (2011)

Nadine Wettstein veröffentlicht regelmäßig in anerkannten wissenschaftlichen Journalen, spricht auf internationalen Konferenzen und erhält Fördermittel von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Ihr Thema ist die Treue. Ihr Forschungsfeld sind neun verschiedene Tiefkühlpizzen. "Wieso kauft ein Mensch immer die gleiche Marke?", fragt die Ökotrophologin, die seit ihrem 18. Lebensjahr vollkommen erblindet ist. Ihre Antworten und Analysen des Einkaufsverhaltens im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) sollen im kommenden Jahr ihre Dissertation am Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) in Halle abschließen. Dort engagiert sie sich neben der Forschung auch in der Lehre. Außerdem betreut sie Praktikanten, Bachelor- und Diplomarbeiten. Die Erkenntnisse ihrer Doktorarbeit möchte die 33-Jährige in die breite Öffentlichkeit tragen. "Fortschritt lebt vom Austausch des Wissens", erklärt sie. Ihr Berufsziel nach der Promotion heißt Wissenschaftsmanagerin.

Mareile Wölwer

Mareile Wölwer (2015)

Das Schlachtunternehmen Tönnies steht ebenso auf Mareile Wölwers Adressliste wie das Landwirtschaftsministerium in Mainz oder der Spezialist für Futterzusätze Dr. Eckel. Die 21-Jährige Landwirtstochter bezeichnet sich selber als „ziemlich kontaktfreudig“. Und das ist auch genau das, was sie benötigt, um sich jetzt den Traum von der Selbstständigkeit zu erfüllen, den sie seit rund einem Jahr mit höchster Intensität verfolgt. Mareile Wölwer hat sich der Optimierung der Tierdatenerfassung verschrieben und ein Business-Modell für eine Applikation (App) entwickelt. Mit Hilfe der App „track-my-animals“ sollen Doppelarbeit und Fehlerquellen beim Melden von Tieren an die HIT-Datenbank sowie bei der Dokumentation von Medikamenten vermieden werden. Darüber hinaus können darüber Tierdaten unkompliziert an Dritte transferiert werden. Auch Schnittstellen zu Melksystemen sind geplant. Mit diesem Konzept hat die Betriebswirtschaftsstudentin in ihrem Bachelorstudiengang an der privaten WHU-Otto-Beisheim School of Management in Vallendar schon Preise gewonnen. Mit großem Engagement widmet sich Wölwer nun der Gewinnung von Partnern aus Politik und Wirtschaft.