Förderpreis der Agrarwirtschaft "S"


Foto: Grégory Weisert

Saskia Strutzke hat den Förderpreis der Agrarwirtschaft 2018, der mit 9.000 Euro dotiert ist, erhalten. Die agrarzeitung (dfv Mediengruppe) vergibt diese Auszeichnung jährlich an besonders engagierte und erfolgreiche junge Talente im Agribusiness. Strutzke konnte sich bei den Gästen des Gala-Abends der agrarzeitung, die erstmals in diesem Jahr über den Preisträger abstimmen durften, gegen Ines Ruschmeyer und Jonas Kiefer durchsetzen. Die drei Favoriten, die zuvor von einer hochkarätig besetzten Jury aus den Bewerbungen für den Förderpreis der Agrarwirtschaft ausgewählt wurden, haben sich und ihr Projekt in einem „Elevator Pitch“ präsentiert.



Thorsten Scheile

Thorsten Scheile (2014)

Thorsten Scheile beweist Experimentierfreude für Boden und Umwelt. Er widmet sich der Reduzierung von Emissionen in der Landwirtschaft. Der 26-Jährige hat in seiner Masterarbeit am Institute of Applied Plant Nutrition (IAPN) der Universität Göttingen mit unterschiedlichen Salzen experimentiert. Er hat sie der Gülle beigefügt und dieses Gemisch ausgebracht, um herauszufinden, inwieweit sich damit der Austrag von Ammoniak und anderen Spurengasen verringern lässt. Sein Ergebnis: eine Emissionsminderung ist dadurch möglich. Dies bereitet zum einen den Weg zu einer organischen Düngung, die weniger umweltbelastend ausfällt, und zum anderen zu einer Kombination von organischer mit mineralischer Düngung. „Kalium und Magnesium sind wichtige Nährstoffe. Der Boden kann so in einem Arbeitsgang angereichert werden“, erklärt er. Seit April 2014 promoviert er am Institut für Graslandwissenschaft in Göttingen und forscht zu Nährstoffkreisläufen auf Weiden.

Anke-Katharina Scherb

Anke-Katharina Scherb (2005)

Anke-Katharina Scherb verbindet mühelos landwirtschaftliche Theorie und Praxis: Den Draht zur Praxis hat sich die Agrarökonomin und Landwirtstochter auch während ihres Studiums an der Universität Göttingen bewahrt. Der Agrarstandort Deutschland bietet für Scherb im internationalen Maßstab exzellente Bedingungen, auch ökonomisch, wenn die Organisation stimmt. Darüber hinaus muss die Landwirtschaft auch an ihrem Image arbeiten, ist die überzeugt. "Auf Dauer hilft nur eine offene Kommunikationsstrategie." Auf diese Weise könnten die Bauern aufzeigen, welche Relevanz die Landwirtschaft für die jeweiligen Regionen habe und zugleich moderne Produktionsformen vermitteln. "Wir müssen weg vom öffentlichen Bild der Kuschellandwirtschaft mit drei Ziegen und zwei Hühnern." Scherb engagiert sich schon lange in der Jungen DLG und tritt als Vorstandsassistentin der DLG seit diesem Sommer auch international für ein neues Bild der deutschen Landwirtschaft ein.

Philipp Schilling

Philipp Schilling (2011)

Die Wirtschaft ist Philipp Schillings Metier. Vor drei Jahren absolvierte der 26-Jährige ein Praktikum bei einem internationalen Handelsunternehmen: "Morgens ins Büro zu kommen, den Dollarkurs und die Börsen zu checken, um dann zu entscheiden, was das für uns bedeutet, war jeden Tag aufs Neue spannend", erklärt der Student der Agrarökonomie. "Ich will wissen, wie wir am besten mit volatilen Märkten umgehen." Bereits seine Bachelorarbeit an der Universität Göttingen wurde von der Fachwelt interessiert aufgenommen. Seine Masterarbeit hat Preissicherungsinstrumente zum Thema. "Wie schwierig eine realistische Preiseinschätzung auch für Branchenexperten ist, zeigt sich in der Suche nach der richtigen Vermarktungsstrategie", sagt er. Darüber hinaus hat er die studentische AG Ackerbau gegründet, unterrichtet als Tutor am Lehrstuhl für landwirtschaftliche Betriebslehre und macht Stipendiumskollegen von der Konrad-Adenauer-Stiftung mit der "modernen Landwirtschaft" vertraut.

Timo Schleßelmann

Timo Schleßelmann (2006)

Timo Schleßelmann ist Landwirt mit Unternehmergeist. Der engagierte Schweinemäster bewirtschaftet im niedersächsischen Godenstedt einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Schweinemast. Seine Vorliebe für Computer verbindet Schleßelmann mit seinen ehrgeizigen Plänen in der Schweinemast. Am Anfang war es nur eine einfache Excel-Version. Für den Schweinebestand mit 1.500 Plätzen programmierte er inzwischen einen professionellen Schweinemastplaner, den der 25-Jährige mittlerweile an mehr als 80 Betriebe verkauft hat. Neben seiner Software unter dem Namen " Agromast" bietet er zusätzlich den kompletten Service von der Beratung bis zur Auswertung an. Schleßelmann hebt die einfache Handhabung bei gleichzeitig hoher Effizienz hervor: Nutzenmaximierung eben, ein betriebswirtschaftliches Kalkül. Ein Werkzeug vom Praktiker für den Praktiker. In Zukunft will er seine Software auch für Bullen- und Geflügelmäster erweitern, um sein Kundenpotenzial zu erhöhen.

Eva-Maria Sebbel

Eva-Maria Sebbel (2013)

Das Finden und Binden von Nachwuchskräften ist für die Agrarwirtschaft ein großes Thema. Eva-Maria Sebbel entwickelt bei der Agravis Raiffeisen AG als Referentin das Personalmarketing für den gesamten Konzern. Geschickt nutzt sie ihre Gestaltungsspielräume zum Aufbau einer Arbeitgebermarke. Die 24-Jährige bespielt erfolgreich die unterschiedlichsten Kanäle für das „Employer Branding“: Messeauftritte, Karrierewebsite, Social Media sowie Hochschul- und Ausbildungsmarketing. Sie ist die Schaltstelle zwischen Unternehmenskommunikation, Personalentwicklung, Recruiting und Ausbildung. Ihre Arbeit wird gern in Anspruch genommen. Die Kunst besteht darin, alles so aufeinander abzustimmen, dass sich die insgesamt 300 Agravis-Standorte weiterhin wiedererkennen. Künftig will sie mehr Recruiting-Events bei der Agravis vor Ort veranstalten. Denn trotz der Erfolge von Internet, Facebook und Co: „Das meiste passiert über den persönlichen Austausch“, ist sie überzeugt.

Philipp Spinne

Philipp Spinne (2009)

Für Philipp Spinne läuft alles nach Plan. Nach zweieinhalb Jahren bei der Agravis Raiffeisen AG stellt ihn sein Arbeitgeber für eine externe Promotion frei. Der gelernte Bankkaufmann und studierte Betriebswirtschaftler will nach der Promotion aber wieder zurück zur Agravis AG – insbesondere das operative Geschäft reizt ihn. Denn ihm gefällt die Arbeit mit Kunden und Lieferanten. Auch die Mitarbeiterführung liegt ihm am Herzen. Spinne ist ein Mann der Praxis und möchte seine Ergebnisse selbst umsetzen. Damit der Kontakt mit der Berufswelt nicht verloren geht, arbeitet er einen Tag pro Woche in der Zentrale in Münster. Dort betreut er weiterhin Projekte. Sein Forschungsthema, die Personalentwicklung im Agrarhandel, trifft auch bei der Agravis AG auf Akzeptanz. Spinne ist weltoffen und blickt über die Grenzen. Zahlreiche Praktika in unterschiedlichsten Agrarsparten und Ländern wie Malaysia, Australien und Südafrika weisen eine große Bandbreite auf.

Markus Steinheber

Markus Steinheber (2012)

Den Anfang macht eine Wette. Markus Steinheber ist überzeugt, dass er den Anbau von Qualitätskartoffeln im Allgäu etablieren kann. Sein Vater hält dagegen. Drei Jahre später gibt sich Steinheber Senior gerne geschlagen: In diesem Jahr wurden 170 t Kartoffeln geerntet; die Planung für eine neue Halle mit 700 t Lagerkapazität ist abgeschlossen und der 27-jährige Steinheber Junior verpasst dem Layout seiner soeben patentierten Marke "Allgäu-Knolle" den letzten Feinschliff. "Zu sehen sein werden Kartoffeln mit Alpenpanorama. Denn eine Vermarktung so weit südlich ist ungewöhnlich", sagt er. Markus Steinheber ist auch für den Vertrieb verantwortlich. Er verhandelt direkt mit dem Einzelhandel vor Ort. "So bleibt die Marge in der Familie", sagt er. Dem Diplom-Agraringenieur, der bei der Baywa AG beschäftigt ist, liegt das Vermarkten im Blut. Innerhalb von nur zwei Jahren ist er vom Pflanzenbauberater zum Leiter des strategischen Produktmarketings aufgestiegen.

Stefanie Strebel

Stefanie Strebel (2005)

Die typische Jobanzeige kennt jeder: fachlich erstklassig, international erfahren, sozial kompetent und dann bitte auch noch jung. Gibt es nicht? Doch, gibt es. Stefanie Strebel macht es vor. Die gerade mal 26-jährige Mitarbeiterin der Baywa geht alles mit einer Mischung aus Professionalität und Charme an. Sie hat an der Fachhochschule Triesdorf Landwirtschaft studiert. Als ihre Kommilitonen noch auf der Suche nach den richtigen Kursen waren, hat sie bereits die Firmenkontaktmesse " Triebsdorf connect 2002" etabliert. Selbst bohrt sie gerne dicke Bretter. Mit Unterstützung der Baywa hat Strebel die Agrarmärkte in Polen, Tschechien und Ungarn untersucht. Die Baywa engagierte Strebel schließlich für ein Trainee-Programm in der Zentrale und im Vertrieb. Inzwischen kauft und verkauft die ehemalige Trainee für das Unternehmen. Nun will die Getreidehändlerin der Baywa und fränkische Landwirtstochter berufsbegleitend Betriebswirtschaft studieren.

Saskia Strutzke

Saskia Strutzke (2018)

„Mein Kollege hat mir so leidgetan“, erzählt die 30-jährige Agrarwissenschaftlerin augenzwinkernd. Als Saskia Strutzke erfuhr, wie dieser jeden Atemzug der Kuh per Augenmaß zählen musste, um die Atemfrequenz des Tieres zu bestimmen, weckte das ihren Erfindergeist. Mittlerweile hat die ungezwungen wirkende junge Frau gemeinsam mit ihrem Partner und dem Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) ein Patent für ihr Atemfrequenzgerät angemeldet, das sie liebevoll „Stalldetektiv“ nennt. Ihr System ist deutlich intelligenter als handelsübliche. Um gestresste Tiere frühzeitig für Landwirte sichtbar zu machen, misst das Gerät neben der Atemfrequenz auch deren Atemverhalten. „Wenn das Atemverhalten stark abweicht, stimmt etwas nicht“, weiß die ehemalige Mitarbeiterin des ATB, die sich nun voll und ganz auf ihr Projekt konzentrieren will. Darüber hinaus nimmt der Stalldetektiv Wiederkau-Raten und Lautäußerungen auf. Aus diesen Daten, erklärt die Erfinderin, lassen sich Rückschlüsse auf akute Stresssituationen ableiten. Das wird mit großer Wahrscheinlichkeit sowohl die Wissenschaft voranbringen als auch Praktikern im Stall die Arbeit erleichtern. Die könnten die Gesundheit ihrer Kühe künftig per App aus dem Badeurlaub überwachen, so Strutzke. Die Idee für den Stalldetektiv hat Strutzke quasi im Wohnzimmer gemeinsam mit ihrem Partner, dem Softwareentwickler Daniel Fiske, ausgetüftelt. Mit Rückendeckung ihres damaligen Arbeitgebers ATB hat sie bereits ein Gründerstipendium beantragt, um schon bald gemeinsam mit einer ehemaligen Arbeitskollegin ihre eigene Firma zu leiten. Vor ihrem Masterstudium mit Schwerpunkt Nutztierwissenschaften an der Universität Göttingen ließ sich Strutzke zur veterinärmedizinischen Fachangestellten ausbilden. Ihre „Liebe zu Tieren“ ist ihr Antrieb, schließlich soll ihr System nicht nur Leistungseinbrüche verhindern, sondern Herdenmanagern Informationen an die Hand geben, um sowohl Husten zu lindern als auch Stoffwechselerkrankungen oder Entzündungen möglichst früh zu detektieren.

Roland Söffing

Roland Söffing (2013)

Roland Söffing arbeitet an der Optimierung des Mähdruschs. Gemeinsam mit dem Maschinenbauer Thomas Nehls hat er ein Konzept zur mechanischen Zerkleinerung von Spreu erstellt. Damit lassen sich bereits während der Ernte keimfähige Samen von Kultur- und Beipflanzen zerstören. Nachgelagerte Arbeitsschritte wie das Ankeimen und das Spritzen wären überflüssig. „Ich will die Arbeit in der landwirtschaftlichen Praxis effizienter und umweltschonender gestalten“, sagt der 27-Jährige, der bei der Getreide AG in Güstrow als Produktmanager Saatgut arbeitet. Die Idee für die Spreumühle kam Roland Söffing im Urlaub. Seitdem nutzt er seine Freizeit für die Weiterentwicklung eines Prototypen. Ein Patent hat er bereits für seine Entwicklung erteilt bekommen. Untersuchungen an der Universität Rostock und dem Fraunhofer-Institut, an dem sein Partner arbeitet, sollen bald den Nutzen auch wissenschaftlich belegen. Dann soll auch die Vermarktung der Spreumühle starten.

Sonderpreis für Carolin Bongers, Lena Förster und Anna Steinmann

Sonderpreis für Carolin Bongers, Lena Förster und Anna Steinmann (2012)

Im Sommer scheint oft die Sonne und es ist die Zeit der Getreideernte. Wie sich diese beiden Ereignisse ökonomisch klug miteinander in Verbindung bringen lassen, haben die drei Masterstudentinnen Carolin Bongers, Lena Förster und Anna Steinmann untersucht. Im Rahmen einer Projektarbeit an der Universität Bonn bewerteten sie eine Körnertrocknungsanlage, die mit Solarenergie betrieben wird. Neben Material, Arbeitsaufwand und Wirtschaftlichkeit spielte bei der Untersuchung auch die Nachhaltigkeit eine Rolle. "Die Getreidetrocknung ist jedes Jahr ein Thema", sagt Bongers. Dem Team war es daher wichtig, eine praxisnahe Arbeit zu erstellen und damit landwirtschaftliche Betriebe ökonomisch unabhängiger zu machen. Vor allem das Konzept der Kombination einer luftgekühlten Fotovoltaikanlage mit einer Belüftungstrocknung gilt als technisch sehr interessant.