Förderpreis der Agrarwirtschaft "L"


Foto: Natalie Färber

Dr. Eva-Marie Meemken, Harm Böckmann und Thiemo Buchner haben den Förderpreis der Agrarwirtschaft 2017 erhalten. Die agrarzeitung (dfv Mediengruppe) vergibt diese Auszeichnung jährlich an besonders engagierte und erfolgreiche junge Talente im Agribusiness. Eine schon renommierte Wissenschaftlerin, die die sozio-ökonomischen Zusammenhänge verstehen will und die Auswirkungen von Nachhaltigkeitsstandards unter die Lupe nimmt, ein kreativer Wurstnerd, der mit seinem Start-up Tierwohl entlang der Wertschöpfungskette transparent macht und gleichzeitig eine leckere Salami anbietet, sowie ein Technikfan, der mit kleinen vernetzten Robotern die Landwirtschaft revolutionieren möchte.
Die Themen der drei Preisträger, die auf dem traditionellen Gala-Abend der agrarzeitung (az) in Hannover ausgezeichnet wurden, sind sehr unterschiedlich. Die Jury zeigte sich beeindruckt von dem vernetzten Denken, dem Blick über den Tellerrand und dem Bestreben, sich für eine nachhaltigere Zukunft einzusetzen, sowie der praxisnahen Herangehensweise der drei Talente.



Martin Laß

Martin Laß (2007)

Etwas bewegen will Martin Laß, der an der Fachhochschule in Weihenstephan Agrarmarketing und Management studiert hat. Der junge Landwirt aus dem schleswig-holsteinischen Tüttendorf hat 2006 das Dienstleistungsunternehmen Baltic Farm Projects gegründet. Sein Ziel: landwirtschaftliche Unternehmen in der russischen Enklave Kaliningrad voranbringen. "Es fehlt dort nicht an Technik oder Know-how, es fehlt an der richtigen Umsetzung.“ Sein Ansatz lautet daher: qualifizierte Fach- und Führungskräfte ausbilden. Dafür will Laß Betriebsleiter vermitteln, die Agrarunternehmen aufbauen und gezielt Personal schulen. Seine Erfahrung in der Region reicht trotz seiner erst 27 Jahre bereits elf Jahre zurück. "Als Erntehelfer bin ich das erste Mal hin", erzählt Laß. Seitdem hat ihn die wirtschaftliche Lage in der kleinen russischen Provinz an der Ostsee nicht mehr losgelassen. In Zukunft kann der Jungunternehmer sich vorstellen, seine Dienstleistungen über Osteuropa hinaus auszuweiten.

Hermann Leithold

Hermann Leithold (2012)

Hermann Leithold fasziniert die Verknüpfung von Pflanzenbau und Elektronik. "Messen und dokumentieren ist nicht schwer", erklärt der 24-Jährige. "Aus einer großen Datenmenge allerdings die richtigen Schlüsse zu ziehen und daraufhin Handlungsempfehlungen abzugeben, das ist die wahre Kunst." So hat er sich dem Precision Farming verschrieben und ist in die Firma seines Vaters, die Agricon GmbH, als Produktmanager eingestiegen, um sensorgestützte Anwendungen für die Landwirtschaft im Segment Pflanzenschutz zu entwickeln. Erste Erfolge zeigen sich. Ein Produkt erhielt eine Silbermedaille auf der Agritechnica. Ebenso wirbt er erfolgreich Fördergelder für die Forschung bei Agricon ein. Leithold findet es spannend, wie verschieden die Bedürfnisse in unterschiedlichen landwirtschaftlichen Regionen sind. Das hat er während seines Bachelorstudiums an der Universität Hohenheim ebenso erfahren wie über Tätigkeiten bei der BASF in England und bei einem ostdeutschen Lohnunternehmer.

Christoph Leufen

Christoph Leufen (2008)

Christoph Leufen bringt Wissen gleichermaßen präzise wie verständlich auf den Punkt. In seine wissenschaftlichen Karriere hat er sich der Pflanzenernährung gewidmet. Seine Diplom- wie auch Doktorarbeit dreht sich um die Düngung von Kartoffeln. Er führt Feldversuche durch, um die Stickstoffdüngung und die Qualität von Kartoffeln zu optimieren. Dabei entwickelt er das Cultan-Verfahren speziell für die Kartoffel weiter und weist nach, dass diese innovative Pflanzenernährung die N-Effizienz erhöht - und das bei Mehrerträgen und verbesserten Qualitäten. Während der Promotion setzt er seine Erkenntnisse zusammen mit der Technikfirma Grimme um. Eine serientaugliche Legemaschine für die Cultan-Düngung wird entwickelt. Denn der unmittelbare Transfer von Ergebnissen in den landwirtschaftlichen Betrieb ist ihm wichtig. Mittlerweile ist der 30-Jährige Fachkoordinator Ackerbau bei der RWZ Rhein-Main, Köln, und kann sein Wissen als Berater an die Landwirte weitergeben.

Benedikt Ley

Benedikt Ley (2009)

Benedikt Ley hat sich mit 18 Jahren seinen größten Berufswunsch erfüllt: sein eigenes landwirtschaftliches Unternehmen. Während der Ausbildung zum Landwirt gründete er ein Lohnunternehmen in Bichl im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. 2009 erwartet der mittlerweile 26-Jährige mit der Benedikt Ley GmbH einen Umsatz in einstelliger Millionenhöhe und beschäftigt 25 Mitarbeiter. Das Lohnunternehmen übernimmt Dienstleistungen im "Grünen Bereich" - in Bayern und Österreich. Landwirte sowie kommunale und öffentliche Entscheider bekommen alle Leistungen aus einer Hand. Ley schafft einen Zusatznutzen: Was andere nicht wollen, verarbeitet er gewinnbringend weiter – seien es Grünabfälle, Pferdemist oder Hackschnitzel. Er denkt immer an Kreisläufe und findet dabei für nahezu alles einen Markt. Der 26-Jährige will in Ungarn investieren. Die Maschinen, die er hier nutzt, möchte er auch in Ungarn einsetzen. Sein Ziel: die Auslastung mindestens verdoppeln.