Förderpreis der Agrarwirtschaft "K"


Foto: Natalie Färber

Dr. Eva-Marie Meemken, Harm Böckmann und Thiemo Buchner haben den Förderpreis der Agrarwirtschaft 2017 erhalten. Die agrarzeitung (dfv Mediengruppe) vergibt diese Auszeichnung jährlich an besonders engagierte und erfolgreiche junge Talente im Agribusiness. Eine schon renommierte Wissenschaftlerin, die die sozio-ökonomischen Zusammenhänge verstehen will und die Auswirkungen von Nachhaltigkeitsstandards unter die Lupe nimmt, ein kreativer Wurstnerd, der mit seinem Start-up Tierwohl entlang der Wertschöpfungskette transparent macht und gleichzeitig eine leckere Salami anbietet, sowie ein Technikfan, der mit kleinen vernetzten Robotern die Landwirtschaft revolutionieren möchte.
Die Themen der drei Preisträger, die auf dem traditionellen Gala-Abend der agrarzeitung (az) in Hannover ausgezeichnet wurden, sind sehr unterschiedlich. Die Jury zeigte sich beeindruckt von dem vernetzten Denken, dem Blick über den Tellerrand und dem Bestreben, sich für eine nachhaltigere Zukunft einzusetzen, sowie der praxisnahen Herangehensweise der drei Talente.



Thorsten Kerzel

Thorsten Kerzel (2009)

Für Thorsten Kerzel war sehr früh klar: er will als landwirtschaftlicher Unternehmer arbeiten. Der angehende Hohenheimer Agrarwissenschaftler übernahm im Jahr 2001 gemeinsam mit seinem Bruder den vom Vater als Wiedereinrichter Anfang der 90er Jahre gegründeten Agrarbetrieb im nordwestlichen Sachsen-Anhalt. Knapp 400 ha Nutzfläche mit weniger als 40 Bodenpunkten bewirtschaftet er. Die ursprünglich zum Betrieb gehörende geschlossene Schweineproduktion mit 40 Zuchtsauen wurde eingestellt, als der wichtigste Kunde das Geschäft aufgab. Der Viehbestand umfasst heute eine kleine Mutterkuhhaltung und 20 Milchkühe. Im Ackerbau ist Kerzel in größere Dimensionen vorgestoßen - nämlich in der Ukraine: Von 2006 bis 2008 leitete der Niedersachse einen 5.000-ha-Betrieb, die Stern Agro GmbH. Seit dem Frühjahr 2008 arbeitet der Jungunternehmer in der Ukraine als selbstständiger Berater für die Simon Steiner Hopfen GmbH und hat die 6.000 ha Ackerfläche zweier Betriebe im Blick.

Gerrit Krüger

Gerrit Krüger (2011)

Gerrit Krüger ist bei der KWS Saat AG in Einbeck beschäftigt und prädestiniert für Pionierarbeit. Das hat er mit einem Barcode-System bewiesen, das er für die KWS entwickelt hat. Mit seinem GS1-DataMatrix Code kann die Logistik bei Erzeugern, Dienstleistern und dem Handel aus einem Guss gestaltet werden. Ebenso lassen sich darüber Produkte und Rohstoffe, beispielsweise Saatgut, lückenlos zurückverfolgen. Krüger will darüber einen internationalen Standard etablieren. Aufbauarbeit soll Krüger nun auch im Ausland leisten. Seine Berufsbezeichnung lautet CBDAC – Corporate Business Development Assistent China. Der Titel klingt hölzern. Er verspricht aber zwei aufregende Jahre in Krügers Leben. In Peking soll der 30-Jährige ein Warenwirtschaftssystem und ein Joint Venture mit einem chinesischen Partner aufbauen. Das Arbeiten in einem internationalen Umfeld liegt ihm. Das zeigt die lange Liste an absolvierten Auslandspraktika. Nun muss er auch noch Chinesisch lernen.

Wanda Ganders und Natalie Kirchbaumer

Wanda Ganders und Natalie Kirchbaumer (2010)

Sie haben gemeinsam in Mannheim studiert und in der gemeinsamen neuen Heimat Bonn angefangen zu träumen. Von einem Stadtleben mit grünen Oasen, von selbst gezogenem Gemüse und von einer Gemeinschaft, in der der Gartenzwerg zwar erlaubt, Kleingarten-Vereinsmeierei jedoch überflüssig ist. Vor einem Jahr gründeten die 29-jährige Wanda Ganders und die 28-jährige Natalie Kirchbaumer ihr eigenes Unternehmen. Die "Meine Ernte Ganders und Kirchbaumer GbR" vermarktet Äcker als Gemüsegärten in Großstadtnähe. Bisher ist das Angebot in sechs deutschen Großstädten vertreten. Neben der Akquise von Ackerflächen und der Vermittlung an Stadtbewohner kümmern sich die beiden Geschäftsführerinnen Kirchbaumer und Ganders um die Öffentlichkeitsarbeit für die Landwirte und halten Vorträge in Schulen sowie Kindergärten. Das Konzept geht auf: Für Landwirte bieten sich neue Einkommensquellen und für Stadtbewohner eigenes Gemüse aus dem Garten. In zwei Jahren soll sich "Meine Ernte" rechnen.