Förderpreis der Agrarwirtschaft "G"


Foto: Natalie Färber

Dr. Eva-Marie Meemken, Harm Böckmann und Thiemo Buchner haben den Förderpreis der Agrarwirtschaft 2017 erhalten. Die agrarzeitung (dfv Mediengruppe) vergibt diese Auszeichnung jährlich an besonders engagierte und erfolgreiche junge Talente im Agribusiness. Eine schon renommierte Wissenschaftlerin, die die sozio-ökonomischen Zusammenhänge verstehen will und die Auswirkungen von Nachhaltigkeitsstandards unter die Lupe nimmt, ein kreativer Wurstnerd, der mit seinem Start-up Tierwohl entlang der Wertschöpfungskette transparent macht und gleichzeitig eine leckere Salami anbietet, sowie ein Technikfan, der mit kleinen vernetzten Robotern die Landwirtschaft revolutionieren möchte.
Die Themen der drei Preisträger, die auf dem traditionellen Gala-Abend der agrarzeitung (az) in Hannover ausgezeichnet wurden, sind sehr unterschiedlich. Die Jury zeigte sich beeindruckt von dem vernetzten Denken, dem Blick über den Tellerrand und dem Bestreben, sich für eine nachhaltigere Zukunft einzusetzen, sowie der praxisnahen Herangehensweise der drei Talente.



Frank Gagel

Frank Gagel (2006)

Frank Gagel ist Agrarhändler aus Überzeugung und hat sich kontinuierlich zum professionellen Getreidehändler weiterentwickelt. Mit 28 Jahren leitet er bereits das mittel- und osteuropäische Getreidehandelsgeschäft der Firma Almos im bayerischen Nittendorf. Erst kürzlich kam die neu eröffnete Almos-Tochtergesellschaft in der Ukraine zu seinen Aufgaben hinzu. "Das Getreidegeschäft habe ich von der Pike auf gelernt", sagt der gebürtige Niedersachse und verdeutlicht. Dabei steckt der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann seine Ziele grundsätzlich hoch: "Wenn ich mir etwas vornehme, dann bin ich ehrgeizig", beschreibt er seine Motivation. Früh habe er in der Ausbildung gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Das habe ihn darin bestärkt, eine führende Aufgabe im internationalen Agrarhandel anzustreben. Den Weg dahin ebnet er sich durch kontinuierliche Weiterbildung. Sein nächstes Ziel ist, das Masterstudium "Supply Management" berufsbegleitend abzuschließen.

Carsten Gieseler

Carsten Gieseler (2015)

„Wie kann ich es schaffen, eine Kuh ein stückweit in eine Software zu gießen?“ Dieser Herausforderung stellt sich der Agrarwissenschaftler und gelernte Landwirt Carsten Gieseler. Der 28-Jährige hat eine Software entwickelt, mit deren Hilfe die Milchviehfütterung optimiert werden kann. Die Software „fodjan smart feeding“ ermittelt je nach den Anforderungen des Betriebes einen Katalog passender Futtermischungen. In der Praxis können damit bis zu zehn Prozent an Kosten für die Tierernährung eingespart werden. Darüber hinaus umfasst die Software auch eine Futtergesundheitsbewertung, so dass die Tiere nicht nur optimal gefüttert, sondern auch gesund ernährt werden. Für diese Idee erhielt Gieseler das EXIST-Gründerstipendium, mit dem er sein eigenes Unternehmen, die fodjan GmbH, gegründet hat. Ferner wurde er für die Entwicklung der Software von der Gesellschaft für Informatik in der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft e.V. (GIL) ausgezeichnet. Carsten Gieseler ist aber noch nicht am Ziel angekommen. Als nächstes möchte er die Software um das Segment Schweinefütterung erweitern.

Wanda Ganders und Natalie Kirchbaumer

Wanda Ganders und Natalie Kirchbaumer (2010)

Sie haben gemeinsam in Mannheim studiert und in der gemeinsamen neuen Heimat Bonn angefangen zu träumen. Von einem Stadtleben mit grünen Oasen, von selbst gezogenem Gemüse und von einer Gemeinschaft, in der der Gartenzwerg zwar erlaubt, Kleingarten-Vereinsmeierei jedoch überflüssig ist. Vor einem Jahr gründeten die 29-jährige Wanda Ganders und die 28-jährige Natalie Kirchbaumer ihr eigenes Unternehmen. Die "Meine Ernte Ganders und Kirchbaumer GbR" vermarktet Äcker als Gemüsegärten in Großstadtnähe. Bisher ist das Angebot in sechs deutschen Großstädten vertreten. Neben der Akquise von Ackerflächen und der Vermittlung an Stadtbewohner kümmern sich die beiden Geschäftsführerinnen Kirchbaumer und Ganders um die Öffentlichkeitsarbeit für die Landwirte und halten Vorträge in Schulen sowie Kindergärten. Das Konzept geht auf: Für Landwirte bieten sich neue Einkommensquellen und für Stadtbewohner eigenes Gemüse aus dem Garten. In zwei Jahren soll sich "Meine Ernte" rechnen.