Förderpreis der Agrarwirtschaft "F"


Foto: Natalie Färber

Dr. Eva-Marie Meemken, Harm Böckmann und Thiemo Buchner haben den Förderpreis der Agrarwirtschaft 2017 erhalten. Die agrarzeitung (dfv Mediengruppe) vergibt diese Auszeichnung jährlich an besonders engagierte und erfolgreiche junge Talente im Agribusiness. Eine schon renommierte Wissenschaftlerin, die die sozio-ökonomischen Zusammenhänge verstehen will und die Auswirkungen von Nachhaltigkeitsstandards unter die Lupe nimmt, ein kreativer Wurstnerd, der mit seinem Start-up Tierwohl entlang der Wertschöpfungskette transparent macht und gleichzeitig eine leckere Salami anbietet, sowie ein Technikfan, der mit kleinen vernetzten Robotern die Landwirtschaft revolutionieren möchte.
Die Themen der drei Preisträger, die auf dem traditionellen Gala-Abend der agrarzeitung (az) in Hannover ausgezeichnet wurden, sind sehr unterschiedlich. Die Jury zeigte sich beeindruckt von dem vernetzten Denken, dem Blick über den Tellerrand und dem Bestreben, sich für eine nachhaltigere Zukunft einzusetzen, sowie der praxisnahen Herangehensweise der drei Talente.



Thomas Fabry

Thomas Fabry (2016)

Der 23-jährige Masterstudent ist als Überzeugungstäter auf den verschiedensten Kanälen unterwegs. „Die anhaltend negative Berichterstattung macht den Begriff Massentierhaltung zum Kampfwort. Genau an dieser Stelle wollen wir den Verbraucher packen“, sagt Fabry. Die Liste seiner Engagements ist lang: Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit im Märkischen Kreis, Öffentlichkeitsarbeiter des Vereins „Massentierhaltung aufgedeckt“, Kommunikator auf dem Handy-Nachrichtendienst „Snapchat“, Teammitglied von BUNT, das Inhalte über die Landwirtschaft für soziale Netzwerke liefert, Vorträge, Podiumsdiskussionen, Dorferhaltungsaktivitäten. Fabry kommuniziert aus der Perspektive des Praktikers. Vor allem aber überzeugt er durch seine Person. Ob mit Ferkel auf dem Arm aus dem elterlichen Schweinestall oder ob er ordentlich verkatert das vergangene Dorffest auf Snapchat als „guten Erfolg“ feiert – kurzweilig und geradeheraus kommt er sehr sympathisch daher. Dass er den elterlichen Betrieb mit Schweinehaltung und Ackerbau später übernehmen wird, steht fest. Öffentlichkeitsarbeit ist für ihn dabei so etwas wie ein weiterer Betriebszweig, der die Zukunft sichern soll.

Daniel Fischer

Daniel Fischer (2012)

Daniel Fischer hat sich vorgenommen, einen Baustein zur Lösung des Urkonflikts zwischen Landnutzung und Naturschutz zu liefern. Seine wissenschaftliche Arbeit widmet sich dem Erhalt der Bodenfruchtbarkeit. Dabei greift der Bodenbiogeochemiker auf ein Prinzip zurück, das schon die alten Indios kannten: die Biokohle. Dieses Substrat kann – in Böden eingearbeitet – die Produktivität der Äcker enorm verbessern und gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Denn Biokohle speichert CO2 verlässlich und lange. Diese Terra-Preta-Technologie untersucht der 30-jährige Doktorand der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg nun in Feldversuchen auf Bodenwirkung und Ertragsleistung. " Wir wissen noch sehr wenig", sagt Fischer. Vor allem zu möglichen Risiken – wie die Wirkung von Rückständen, beispielsweise Holzschutzmittel oder Schwermetalle – bestehe noch Forschungsbedarf. Darüber hinaus will Fischer ein Zentrum für nachhaltige Landnutzungskonzepte aufbauen.

Sonderpreis für Carolin Bongers, Lena Förster und Anna Steinmann

Sonderpreis für Carolin Bongers, Lena Förster und Anna Steinmann (2012)

Im Sommer scheint oft die Sonne und es ist die Zeit der Getreideernte. Wie sich diese beiden Ereignisse ökonomisch klug miteinander in Verbindung bringen lassen, haben die drei Masterstudentinnen Carolin Bongers, Lena Förster und Anna Steinmann untersucht. Im Rahmen einer Projektarbeit an der Universität Bonn bewerteten sie eine Körnertrocknungsanlage, die mit Solarenergie betrieben wird. Neben Material, Arbeitsaufwand und Wirtschaftlichkeit spielte bei der Untersuchung auch die Nachhaltigkeit eine Rolle. "Die Getreidetrocknung ist jedes Jahr ein Thema", sagt Bongers. Dem Team war es daher wichtig, eine praxisnahe Arbeit zu erstellen und damit landwirtschaftliche Betriebe ökonomisch unabhängiger zu machen. Vor allem das Konzept der Kombination einer luftgekühlten Fotovoltaikanlage mit einer Belüftungstrocknung gilt als technisch sehr interessant.