Förderpreis der Agrarwirtschaft 2018


Foto: Grégory Weisert

Saskia Strutzke hat den Förderpreis der Agrarwirtschaft 2018, der mit 9.000 Euro dotiert ist, erhalten. Die agrarzeitung (dfv Mediengruppe) vergibt diese Auszeichnung jährlich an besonders engagierte und erfolgreiche junge Talente im Agribusiness. Strutzke konnte sich bei den Gästen des Gala-Abends der agrarzeitung, die erstmals in diesem Jahr über den Preisträger abstimmen durften, gegen Ines Ruschmeyer und Jonas Kiefer durchsetzen. Die drei Favoriten, die zuvor von einer hochkarätig besetzten Jury aus den Bewerbungen für den Förderpreis der Agrarwirtschaft ausgewählt wurden, haben sich und ihr Projekt in einem „Elevator Pitch“ präsentiert.



Saskia Strutzke

Saskia Strutzke

„Mein Kollege hat mir so leidgetan“, erzählt die 30-jährige Agrarwissenschaftlerin augenzwinkernd. Als Saskia Strutzke erfuhr, wie dieser jeden Atemzug der Kuh per Augenmaß zählen musste, um die Atemfrequenz des Tieres zu bestimmen, weckte das ihren Erfindergeist. Mittlerweile hat die ungezwungen wirkende junge Frau gemeinsam mit ihrem Partner und dem Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) ein Patent für ihr Atemfrequenzgerät angemeldet, das sie liebevoll „Stalldetektiv“ nennt. Ihr System ist deutlich intelligenter als handelsübliche. Um gestresste Tiere frühzeitig für Landwirte sichtbar zu machen, misst das Gerät neben der Atemfrequenz auch deren Atemverhalten. „Wenn das Atemverhalten stark abweicht, stimmt etwas nicht“, weiß die ehemalige Mitarbeiterin des ATB, die sich nun voll und ganz auf ihr Projekt konzentrieren will. Darüber hinaus nimmt der Stalldetektiv Wiederkau-Raten und Lautäußerungen auf. Aus diesen Daten, erklärt die Erfinderin, lassen sich Rückschlüsse auf akute Stresssituationen ableiten. Das wird mit großer Wahrscheinlichkeit sowohl die Wissenschaft voranbringen als auch Praktikern im Stall die Arbeit erleichtern. Die könnten die Gesundheit ihrer Kühe künftig per App aus dem Badeurlaub überwachen, so Strutzke. Die Idee für den Stalldetektiv hat Strutzke quasi im Wohnzimmer gemeinsam mit ihrem Partner, dem Softwareentwickler Daniel Fiske, ausgetüftelt. Mit Rückendeckung ihres damaligen Arbeitgebers ATB hat sie bereits ein Gründerstipendium beantragt, um schon bald gemeinsam mit einer ehemaligen Arbeitskollegin ihre eigene Firma zu leiten. Vor ihrem Masterstudium mit Schwerpunkt Nutztierwissenschaften an der Universität Göttingen ließ sich Strutzke zur veterinärmedizinischen Fachangestellten ausbilden. Ihre „Liebe zu Tieren“ ist ihr Antrieb, schließlich soll ihr System nicht nur Leistungseinbrüche verhindern, sondern Herdenmanagern Informationen an die Hand geben, um sowohl Husten zu lindern als auch Stoffwechselerkrankungen oder Entzündungen möglichst früh zu detektieren.