Förderpreis der Agrarwirtschaft 2017


Foto: Natalie Färber

Dr. Eva-Marie Meemken, Harm Böckmann und Thiemo Buchner haben den Förderpreis der Agrarwirtschaft 2017 erhalten. Die agrarzeitung (dfv Mediengruppe) vergibt diese Auszeichnung jährlich an besonders engagierte und erfolgreiche junge Talente im Agribusiness. Eine schon renommierte Wissenschaftlerin, die die sozio-ökonomischen Zusammenhänge verstehen will und die Auswirkungen von Nachhaltigkeitsstandards unter die Lupe nimmt, ein kreativer Wurstnerd, der mit seinem Start-up Tierwohl entlang der Wertschöpfungskette transparent macht und gleichzeitig eine leckere Salami anbietet, sowie ein Technikfan, der mit kleinen vernetzten Robotern die Landwirtschaft revolutionieren möchte.
Die Themen der drei Preisträger, die auf dem traditionellen Gala-Abend der agrarzeitung (az) in Hannover ausgezeichnet wurden, sind sehr unterschiedlich. Die Jury zeigte sich beeindruckt von dem vernetzten Denken, dem Blick über den Tellerrand und dem Bestreben, sich für eine nachhaltigere Zukunft einzusetzen, sowie der praxisnahen Herangehensweise der drei Talente.



Thiemo Buchner

Thiemo Buchner

Er ist fasziniert von Robotik, dem Einsatz neuronaler Netzwerke und künstlicher Intelligenz sowie der Miniaturisierung landwirtschaftlicher Prozesse. Schon in frühester Jugend hat er seine Liebe zur Agrartechnik entdeckt. Seit drei Jahren arbeitet der 31-Jährige bei dem US-Landtechnikkonzern Agco an Verknüpfungen von innovativen Technologien und deren Anwendung in der Landtechnik. Er hat mobile Agrarroboter im Rahmen des Forschungsprojekts MARS bis zur Praxisreife entwickelt. Viele kleine Roboter sollen künftig große Sämaschinen ersetzen. Agrarroboter können für ihn klein oder groß sein und ließen sich im Prinzip künftig für alle Arbeitsgänge einsetzen, vor allem bei präzisen Arbeiten, wo wenig Masse bewegt wird. Konkret wären das die Aussaat und die mechanische Unkrautbekämpfung. Zielstrebig will er so, der Landwirtschaft robuste, praktikable und auch wirtschaftliche Werkzeuge an die Hand geben, mit denen der Landwirt seine agronomischen Ziele möglichst nachhaltig umsetzen kann. Digitalisierung und Automatisierung sind für ihn ein Wegbereiter in die Zukunft.

Harm Böckmann

Harm Böckmann

Der 29-Jährige hat seine Vision für Veränderungen in der Herstellung und Kommunikation rund um Fleisch in die Praxis umgesetzt. Der Fleischfan Böckmann will mit seinem Start-up „Super Meat Boy“ eine Salami den Verbrauchern schmackhaft machen, die nach Tierwohlkriterien erzeugt worden ist. Sein Ansatz: Alle Glieder der Wertschöpfungskette werden miteinbezogen. Er setzt in seinem selbstentwickelten Vermarktungskonzept auf Transparenz: Von der Geburt des Schweins bis zur Verpackung im „Super Meat Boy“-Design kann der Verbraucher alles nachvollziehen und sich mit gutem Gewissen die Salami schmecken lassen. Für die Umsetzung seines Konzeptes hat er Partner aus allen Stufen gewinnen können und bietet seine Salamiwurst im Lebensmitteleinzelhandel in vier verschiedenen Geschmacksrichtungen an. Zentral für sein Konzept ist auch die Kommunikation auf sozialen Kanälen wie Facebook, Twitter und YouTube. Im Videoblog #Wurstnerd hält er seine Kundschaft mit kurzen Episoden auf dem Laufenden, auch über die Schweine im Stall oder am Schlachthof.

Dr. Eva-Marie Meemken

Dr. Eva-Marie Meemken

Wie kann Landwirtschaft nachhaltiger und gerechter gestaltet werden? Und halten zertifizierte Produkte überhaupt das, was sie versprechen. Diese Fragen beschäftigen die 31-jährige Agrarökonomin. Dabei geht es ihr nicht nur um Zahlen, sondern darum globale, sozio-ökonomische Zusammenhängen in Entwicklungsländern zu verstehen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Sie hat Nachhaltigkeitsstandards unter die Lupe genommen und blickt hinter die Label wie etwa Fairtrade, Bio oder der Rainforest Alliance. Meemken hat die Auswirkungen dieser Standards auf die Lebenssituation afrikanischer Kleinbauern selbst vor Ort untersucht. Ihre Dissertation an der Universität Göttingen zu diesem Thema hat sie mit „summa cum laude“ abgeschlossen. Zahlreiche Auslandsaufenthalte prägen ihre wissenschaftliche Karriere. Sie arbeitete auf landwirtschaftlichen Betrieben in Spanien und Kanada, studierte ein Semester lang in Mexiko und absolvierte Praktika in Bangladesh, machte sich unter anderem nach Peru auf, um die Anpassung an den Klimawandel zu beobachten, oder in Äthiopien die Wertschöpfungskette bei Kaffee genauer zu betrachten.