Förderpreis der Agrarwirtschaft 2014


Foto: Natalie Färber

Vier beeindruckende junge Menschen - energiegeladen, kreativ und unerschrocken - zeichnet die agrarzeitung (az) in diesem Jahr mit dem Förderpreis der Agrarwirtschaft aus: Andre Brösterhaus, Benjamin Meise, Nina Zimmermann und Thorsten Scheile. Mit einer dynamischen Dame aus dem Agrarhandel, einem ideenreichen Wissenschaftler, einem mutigen Studenten sowie einem Betriebsleiter, der kreativ auf Außenwirkung setzt, hat die 18-köpfige Jury interessante Talente aus der landwirtschaftlichen Praxis, der Wissenschaft und dem Agrarhandel ausgewählt. Renommierte Sponsoren stiften ein Preisgeld von insgesamt 12.000 €. Die feierliche Preisverleihung fand auf dem Gala-Abend der az zur Messe Eurotier in Hannover statt. Die Auszeichnung geht jedes Jahr an den besonders engagierten Nachwuchs im Agribusiness.



Andre Brösterhaus

Andre Brösterhaus

Promi Big Brother, Weltmeister oder Massentierhaltung – wer Klicks im Internet will, braucht markige Begriffe. Der 23-jährige Andre Brösterhaus will viele Klicks. Er hatte es satt, dass immer wieder die gleichen Vorurteile über die Tierhaltung verbreitet werden. Deswegen macht der gelernte Landwirt und Student der Agrarwissenschaften Werbung in eigener Sache. Sein Slogan: „Massentierhaltung aufgedeckt“. 2013 hat er gemeinsam mit Kommilitonen der Hochschule Osnabrück die gleichnamige Facebook-Seite eröffnet. Statt Aufreger gibt es Fakten. „Wir setzen der einseitigen Berichterstattung etwas entgegen“, sagt Brösterhaus. Seine schärfste Waffe: die eigene Klarheit. Denn er weiß, wie es in den Ställen aussieht und der Einstieg in den elterlichen Mastschweine- und Ackerbaubetrieb ist beschlossene Sache. Zudem hat er mit Freunden den Verein „Tierhaltung – modern und transparent e.V.“ gegründet, um auf einer Internet-Plattform über die gesamte Tierhaltung zu informieren.

Benjamin Meise

Benjamin Meise

Benjamin Meise sieht dem Dilemma zwischen steigenden Verbraucheransprüchen und sinkender Akzeptanz der konventionellen Landwirtschaft nicht länger tatenlos zu. Er hat für seinen landwirtschaftlichen Betrieb eine Maxime formuliert: „Der größte Feind des guten Landwirtschaftsimages ist die Unwissenheit der Bürger.“ Der 34-Jährige ist Geschäftsführer der Fürstenwalder Agrarprodukte GmbH Buchholz in Steinhöfel. Er hat die Verantwortung über 20.000 Legehennen, 800 Rinder, 3.500 ha Land, eine 600-kW-Biogasanlage und rund 50 Mitarbeiter. Die Imagepflege ist seiner Meinung nach die entscheidende Größe, um den Betrieb zukunftsfähig zu halten. Konsequent baut der Betriebswirt die Öffentlichkeitsarbeit aus: über die Schaffung eines einheitlichen Logos, Stände auf Dorffesten, Märkte und Messen, Vorträge, Führungen, Gremienarbeit und einer häufigen Präsenz in den Medien. Als Nächstes will er eine Direktvermarktungsschiene aufbauen. Auch das Thema Ausbildung ist für ihn Chefsache.

Thorsten Scheile

Thorsten Scheile

Thorsten Scheile beweist Experimentierfreude für Boden und Umwelt. Er widmet sich der Reduzierung von Emissionen in der Landwirtschaft. Der 26-Jährige hat in seiner Masterarbeit am Institute of Applied Plant Nutrition (IAPN) der Universität Göttingen mit unterschiedlichen Salzen experimentiert. Er hat sie der Gülle beigefügt und dieses Gemisch ausgebracht, um herauszufinden, inwieweit sich damit der Austrag von Ammoniak und anderen Spurengasen verringern lässt. Sein Ergebnis: eine Emissionsminderung ist dadurch möglich. Dies bereitet zum einen den Weg zu einer organischen Düngung, die weniger umweltbelastend ausfällt, und zum anderen zu einer Kombination von organischer mit mineralischer Düngung. „Kalium und Magnesium sind wichtige Nährstoffe. Der Boden kann so in einem Arbeitsgang angereichert werden“, erklärt er. Seit April 2014 promoviert er am Institut für Graslandwissenschaft in Göttingen und forscht zu Nährstoffkreisläufen auf Weiden.

Nina Zimmermann

Nina Zimmermann

Durch Skandale wie Dioxin im Futter oder Nitrofen im Getreide wird das Vertrauen der Verbraucher immer wieder erschüttert. Nina Zimmermann will die Wertschöpfungskette sicherer machen. „Das Qualitätsmanagement ist auf den einzelnen Ebenen bereits recht genau, es fehlt aber noch ein konsequenter Austausch zwischen den einzelnen Akteuren“, sagt sie. Die 31-Jährige, die bei der RWZ-Genossenschaft Rhein-Main in Hanau das Qualitätsmanagement verantwortet, promoviert über das Thema und entwickelt neben ihrem Beruf seit drei Jahren an der TU München ein praxisnahes Konzept für eine Plattform im Getreide-Qualitätsmanagement. Entstehen soll eine elektronische Schnittstelle vom Landwirt über den Agrarspediteur und den Handel bis zur Lebensmittelindustrie über eine App und QR-Codes. „Beide Lösungen sorgen für mehr Transparenz und vor allem für Kosteneinsparungen“, sagt Zimmermann. Immer noch würden viele Daten von Hand eingetragen, was zeitaufwendig und fehleranfällig sei.