Förderpreis der Agrarwirtschaft 2013


Foto: Natalie Färber

Die 'agrarzeitung' (az) zeichnet jedes Jahr die besten Nachwuchstalente der Agrarbranche mit dem Förderpreis der Agrarwirtschaft aus. Dank der Unterstützung namhafter Sponsoren fördern wir die besten Talente mit einem stattlichen Preisgeld. Drei kluge Köpfe haben die unabhängige Jury mit ihren Ideen überzeugt. Josef Roider, Jana Püttker, Heinrich Aue, Eva-Maria Sebbel, Roland Söffing und Jana Hopfe (v.l.n.r.).



Heinrich Aue

Heinrich Aue

Energie wird teurer. Damit steigen die Düngemittelkosten. Gleichzeitig fällt in Veredelungsregionen so viel Mist und Gülle an, dass das zum Problem wird. Diese Ausgangslage nutzte Heinrich Aue vor fünf Jahren, um ein äußerst erfolgreiches Geschäftsmodell zu entwickeln: den Transport von organischem Dünger aus dem viehreichen Südoldenburg in die Ackerbauregion der Hildesheimer Börde. Anfangs für seine Idee belächelt, blickt der 27-jährige Aue heute auf ein florierendes Unternehmen. Der Agrar- und Kommunalservice Heinrich Aue in Hüddessum liefert vieles: von Geflügelmist über Kalke und Gärreste bis zur Gülle. Um die logistische Herausforderung zu meistern, setzt Aue auf eine feste Kombination aus Maschinen und Arbeitsgeräten. Transport und Ausbringung sind voneinander getrennt. Lkw fahren die Fest- und Flüssigsubstrate an. „Das ist effizienter“, sagt er. Den Umsatz hat er in den vergangenen Jahren deutlich gesteigert, aber auch die „Energieschiene“ soll wachsen.

Jana Hopfe

Jana Hopfe

Ihre Passion ist die Fleischrinderzucht und die Verbesserung der Wertschöpfung. So besucht Jana Hopfe, Vorstandsvorsitzende der Pflege-Agrar-Genossenschaft Bettenhausen, Zuchtbetriebe im In- und Ausland. Denn die Fleischrinderzucht in Thüringen lässt sich ihrer Meinung nach durchaus noch „positiv beeinflussen“. Dabei setzt möchte die 30-jährige Diplom-Agraringenieurin vor allem auf Netzwerke. So ist sie Mitglied im Zuchtbeirat für Fleischrinder, in mehreren Arbeitsgruppen des Bauernverbandes und im regionalen Naturschutzbeirat. In puncto Öffentlichkeitsarbeit soll über eine Patenschaft mit Kindergärten früh „ein Grundverständnis für die Landwirtschaft geweckt werden. Und in Zusammenarbeit mit der Hochschule Anhalt, Thüringer Zucht- und Landesanstalten sowie Mästern und Schlachthöfen promoviert Hopfe extern und untersucht mittels Ultraschall die Merkmale, die für die Fleischproduktion wirtschaftlich wichtig sind – wie die Rückenmuskelfläche und die Fettauflage.

Jana Püttker

Jana Püttker

Jana Püttker möchte reale Bilder aus Schweinställen in die Schule bringen. Sie ist seit drei Jahren als Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) in Damme tätig und vermittelt sowie begleitet unter anderem Schweinehalter bei Medienanfragen. Ihr wichtigstes Ziel: „zu Wort kommen“. Vor allem, wenn es um emotional geführte Debatten über Tierhaltung geht. So hat die 29-Jährige ein Projekt angestoßen, das ganz früh ein Verständnis für die Landwirtschaft wecken soll: Gemeinsam mit der Landakademie, dem Verein information.medien.agrar (IMA) und dem ISPA-Institut der Universität Vechta entwickelt sie den „Virtuellen Schweinestall fürs Klassenzimmer“. Sie nutzt dafür neueste Medienkanäle, die auf Whiteboards, den elektronischen Schultafeln, funktionieren. Über ein ansprechendes E-Learning-Modul könnte sachlich über die moderne Tierhaltung informiert werden – und diese „Marktnische“ will Püttker besetzen.

Josef Roider

Josef Roider

„Mein Ziel ist es, in erster Linie ein hervorragender Landwirt zu werden“, sagt Josef Roider. Mit dem herausragenden Abschluss auf der höheren Landbauschule Rotthalmünster und einem 100-ha-Betrieb samt angegliedertem Lohnunternehmen befindet er sich auf einem guten Weg. Schon seit Längerem störte ihn während der Körnermaisernte, dass die Maisspindeln als wertvolle Reststoffe ungenutzt bleiben. Nach zwei Jahren Tüftelei erntet er mit seiner patentierten und TÜV-geprüften Technik „COB Collect“ parallel zum Körnermais 15 Kubikmeter Spindeln pro Hektar. „Für die Landwirte ist das eine weitere Ertragsquelle von der Ackerfläche“, erklärt der 23-Jährige. Die Spindeln lassen sich als Brennmaterial, Dämmstoff oder Einstreu verwerten. Erste Heizkraftwerke haben die Ware bereits abgenommen. Darüber hinaus experimentiert der Landwirt und Lohnunternehmer mit Gülle, Pumpen am Feldrand und Schleppschläuchen, um die organische Düngung bodenschonender und wirtschaftlicher zu machen.

Eva-Maria Sebbel

Eva-Maria Sebbel

Das Finden und Binden von Nachwuchskräften ist für die Agrarwirtschaft ein großes Thema. Eva-Maria Sebbel entwickelt bei der Agravis Raiffeisen AG als Referentin das Personalmarketing für den gesamten Konzern. Geschickt nutzt sie ihre Gestaltungsspielräume zum Aufbau einer Arbeitgebermarke. Die 24-Jährige bespielt erfolgreich die unterschiedlichsten Kanäle für das „Employer Branding“: Messeauftritte, Karrierewebsite, Social Media sowie Hochschul- und Ausbildungsmarketing. Sie ist die Schaltstelle zwischen Unternehmenskommunikation, Personalentwicklung, Recruiting und Ausbildung. Ihre Arbeit wird gern in Anspruch genommen. Die Kunst besteht darin, alles so aufeinander abzustimmen, dass sich die insgesamt 300 Agravis-Standorte weiterhin wiedererkennen. Künftig will sie mehr Recruiting-Events bei der Agravis vor Ort veranstalten. Denn trotz der Erfolge von Internet, Facebook und Co: „Das meiste passiert über den persönlichen Austausch“, ist sie überzeugt.

Roland Söffing

Roland Söffing

Roland Söffing arbeitet an der Optimierung des Mähdruschs. Gemeinsam mit dem Maschinenbauer Thomas Nehls hat er ein Konzept zur mechanischen Zerkleinerung von Spreu erstellt. Damit lassen sich bereits während der Ernte keimfähige Samen von Kultur- und Beipflanzen zerstören. Nachgelagerte Arbeitsschritte wie das Ankeimen und das Spritzen wären überflüssig. „Ich will die Arbeit in der landwirtschaftlichen Praxis effizienter und umweltschonender gestalten“, sagt der 27-Jährige, der bei der Getreide AG in Güstrow als Produktmanager Saatgut arbeitet. Die Idee für die Spreumühle kam Roland Söffing im Urlaub. Seitdem nutzt er seine Freizeit für die Weiterentwicklung eines Prototypen. Ein Patent hat er bereits für seine Entwicklung erteilt bekommen. Untersuchungen an der Universität Rostock und dem Fraunhofer-Institut, an dem sein Partner arbeitet, sollen bald den Nutzen auch wissenschaftlich belegen. Dann soll auch die Vermarktung der Spreumühle starten.