Förderpreis der Agrarwirtschaft 2012


Foto: Natalie Färber

Die 'agrarzeitung' (az) zeichnet jedes Jahr die besten Nachwuchstalente der Agrarbranche mit dem Förderpreis der Agrarwirtschaft aus. Dank der Unterstützung namhafter Sponsoren fördern wir die besten Talente mit einem stattlichen Preisgeld. Vier kluge Köpfe haben die unabhängige Jury mit ihren Ideen überzeugt. Darüber hinaus wurde auch ein Sonderpreis vergeben. Die Preisträger des Jahres sind: Daniel Fischer, Markus Steinheber, Tobias Roeren-Wiemers und Hermann Leithold (v.l.n.r.).



Daniel Fischer

Daniel Fischer

Daniel Fischer hat sich vorgenommen, einen Baustein zur Lösung des Urkonflikts zwischen Landnutzung und Naturschutz zu liefern. Seine wissenschaftliche Arbeit widmet sich dem Erhalt der Bodenfruchtbarkeit. Dabei greift der Bodenbiogeochemiker auf ein Prinzip zurück, das schon die alten Indios kannten: die Biokohle. Dieses Substrat kann – in Böden eingearbeitet – die Produktivität der Äcker enorm verbessern und gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Denn Biokohle speichert CO2 verlässlich und lange. Diese Terra-Preta-Technologie untersucht der 30-jährige Doktorand der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg nun in Feldversuchen auf Bodenwirkung und Ertragsleistung. " Wir wissen noch sehr wenig", sagt Fischer. Vor allem zu möglichen Risiken – wie die Wirkung von Rückständen, beispielsweise Holzschutzmittel oder Schwermetalle – bestehe noch Forschungsbedarf. Darüber hinaus will Fischer ein Zentrum für nachhaltige Landnutzungskonzepte aufbauen.

Hermann Leithold

Hermann Leithold

Hermann Leithold fasziniert die Verknüpfung von Pflanzenbau und Elektronik. "Messen und dokumentieren ist nicht schwer", erklärt der 24-Jährige. "Aus einer großen Datenmenge allerdings die richtigen Schlüsse zu ziehen und daraufhin Handlungsempfehlungen abzugeben, das ist die wahre Kunst." So hat er sich dem Precision Farming verschrieben und ist in die Firma seines Vaters, die Agricon GmbH, als Produktmanager eingestiegen, um sensorgestützte Anwendungen für die Landwirtschaft im Segment Pflanzenschutz zu entwickeln. Erste Erfolge zeigen sich. Ein Produkt erhielt eine Silbermedaille auf der Agritechnica. Ebenso wirbt er erfolgreich Fördergelder für die Forschung bei Agricon ein. Leithold findet es spannend, wie verschieden die Bedürfnisse in unterschiedlichen landwirtschaftlichen Regionen sind. Das hat er während seines Bachelorstudiums an der Universität Hohenheim ebenso erfahren wie über Tätigkeiten bei der BASF in England und bei einem ostdeutschen Lohnunternehmer.

Tobias Roeren-Wiemers

Tobias Roeren-Wiemers

Nach seiner Masterarbeit über Agrarökonomie an der Universität Göttingen wird Tobias Roeren-Wiemers den elterlichen Schweinemast- und Ackerbaubetrieb übernehmen. Gleichzeitig treibt er in seiner Heimat Lichtenau ein ehrgeiziges Projekt voran. Zusammen mit mehreren Landwirten plant er den Bau eines bäuerlichen Bürgerwindparks in Lichtenau. „Die Wertschöpfung aus Windenergie soll in unserer Gemeinde bleiben", sagt Roeren-Wiemers. Für sein Konzept muss er viel Überzeugungsarbeit bei den Gemeindeverantwortlichen und den Bürgern, die sich an diesem Projekt mitbeteiligen sollen, leisten und den Nutzen erklären. Darüber hinaus engagiert sich der Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung in der Fachschaft der Universität Göttingen, baute das E-Learning Projekt "Ilias" mit auf und erklärt als Tutor seinen Kommilitonen die Ökonomie und die Ressourcenpolitik. Ferner reist er gern in andere Länder und hat Praktika sowie Auslandssemester in Lettland, Schottland und Kanada gemacht.

Markus Steinheber

Markus Steinheber

Den Anfang macht eine Wette. Markus Steinheber ist überzeugt, dass er den Anbau von Qualitätskartoffeln im Allgäu etablieren kann. Sein Vater hält dagegen. Drei Jahre später gibt sich Steinheber Senior gerne geschlagen: In diesem Jahr wurden 170 t Kartoffeln geerntet; die Planung für eine neue Halle mit 700 t Lagerkapazität ist abgeschlossen und der 27-jährige Steinheber Junior verpasst dem Layout seiner soeben patentierten Marke "Allgäu-Knolle" den letzten Feinschliff. "Zu sehen sein werden Kartoffeln mit Alpenpanorama. Denn eine Vermarktung so weit südlich ist ungewöhnlich", sagt er. Markus Steinheber ist auch für den Vertrieb verantwortlich. Er verhandelt direkt mit dem Einzelhandel vor Ort. "So bleibt die Marge in der Familie", sagt er. Dem Diplom-Agraringenieur, der bei der Baywa AG beschäftigt ist, liegt das Vermarkten im Blut. Innerhalb von nur zwei Jahren ist er vom Pflanzenbauberater zum Leiter des strategischen Produktmarketings aufgestiegen.

Sonderpreis für Carolin Bongers, Lena Förster und Anna Steinmann

Sonderpreis für Carolin Bongers, Lena Förster und Anna Steinmann

Im Sommer scheint oft die Sonne und es ist die Zeit der Getreideernte. Wie sich diese beiden Ereignisse ökonomisch klug miteinander in Verbindung bringen lassen, haben die drei Masterstudentinnen Carolin Bongers, Lena Förster und Anna Steinmann untersucht. Im Rahmen einer Projektarbeit an der Universität Bonn bewerteten sie eine Körnertrocknungsanlage, die mit Solarenergie betrieben wird. Neben Material, Arbeitsaufwand und Wirtschaftlichkeit spielte bei der Untersuchung auch die Nachhaltigkeit eine Rolle. "Die Getreidetrocknung ist jedes Jahr ein Thema", sagt Bongers. Dem Team war es daher wichtig, eine praxisnahe Arbeit zu erstellen und damit landwirtschaftliche Betriebe ökonomisch unabhängiger zu machen. Vor allem das Konzept der Kombination einer luftgekühlten Fotovoltaikanlage mit einer Belüftungstrocknung gilt als technisch sehr interessant.