Förderpreis der Agrarwirtschaft 2011


Foto: Felix Jürgen Holland

Die 'agrarzeitung' (az) zeichnet jedes Jahr die besten Nachwuchstalente der Agrarbranche mit dem Förderpreis der Agrarwirtschaft aus. Dank der Unterstützung namhafter Sponsoren fördern wir die besten Talente mit einem stattlichen Preisgeld. Drei kluge Köpfe haben die unabhängige Jury mit ihren Ideen überzeugt. Philipp Schilling, Anne Hartmann, Gerrit Krüger, Nadine Wettstein, Carina Tünge und Andreas Hildebrandt (v.l.n.r.)



Carina Tünge und Andreas Hildebrandt

Carina Tünge und Andreas Hildebrandt

Carina Tünge und Andreas Hildebrandt haben die Milch im Blut. Die 24-Jährige Tünge machte eine Ausbildung zur Industriekauffrau bei der Milchversorgung Stade – Fahrten mit dem Sammelwagen inklusive. Der 31-Jährige Hildebrandt entschied sich nach Lehre und Studium der Landwirtschaft für ein Traineeprogramm bei der Nordmilch AG. Die Konsolidierung in der Milchindustrie führte beide zu einem Team zusammen. Ihre Aufgabe: die Fusion der Molkereien Nordmilch und Humana zum Deutschen Milchkontor (DMK) mit einer überzeugenden Kommunikation zu begleiten, um 11.000 genossenschaftlich organisierte Milcherzeuger einheitlich zur Unternehmensentwicklung zu informieren. Gleichzeitig sollte es einen Dienst für Anlieferungs- und Servicedaten zur Milch geben. Tünge und Hildebrandt haben dazu die Internetplattform "Webmelker.de" entwickelt. Die Nutzerzahlen von mehr als 22.000 Zugriffen pro Monat sprechen für sich. Auch ein SMS-Dienst und ein Diskussionsforum sind geplant.

Anne Hartmann

Anne Hartmann

Das Pflügen ist die Lieblingsdisziplin von Anne Hartmann, die nach ihrer Ausbildung zur Landwirtin an der FH Osnabrück studierte. Immer auf der Suche nach der " perfekten Furche" hat sie es bis zur niedersächsischen Landesmeisterin im Beetpflügen gebracht. Grenzen testen und das Beste aus einer Sache herausholen ist das Motto der 27-Jährigen. Konflikte in der Landwirtschaft – und wie man sie handhabt – sind ihr Thema. Dazu hat sie ein Konzept entwickelt. Landwirte sollen über eine Konfliktberatung Werkzeuge an die Hand bekommen, die helfen, mit unterschiedlichen Ansprüchen umgehen zu können. "Ob Strukturwandel, Hofübergaben, Marktrisiken oder kritische Verbraucher – die Landwirte müssen sich damit auseinandersetzen", erklärt sie. Tiefe Einblicke in die Vielschichtigkeit von Konflikten hat sie über ihr langjähriges Engagement bei der Landjugend bekommen. Mittlerweile arbeitet sie als Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband.

Gerrit Krüger

Gerrit Krüger

Gerrit Krüger ist bei der KWS Saat AG in Einbeck beschäftigt und prädestiniert für Pionierarbeit. Das hat er mit einem Barcode-System bewiesen, das er für die KWS entwickelt hat. Mit seinem GS1-DataMatrix Code kann die Logistik bei Erzeugern, Dienstleistern und dem Handel aus einem Guss gestaltet werden. Ebenso lassen sich darüber Produkte und Rohstoffe, beispielsweise Saatgut, lückenlos zurückverfolgen. Krüger will darüber einen internationalen Standard etablieren. Aufbauarbeit soll Krüger nun auch im Ausland leisten. Seine Berufsbezeichnung lautet CBDAC – Corporate Business Development Assistent China. Der Titel klingt hölzern. Er verspricht aber zwei aufregende Jahre in Krügers Leben. In Peking soll der 30-Jährige ein Warenwirtschaftssystem und ein Joint Venture mit einem chinesischen Partner aufbauen. Das Arbeiten in einem internationalen Umfeld liegt ihm. Das zeigt die lange Liste an absolvierten Auslandspraktika. Nun muss er auch noch Chinesisch lernen.

Philipp Schilling

Philipp Schilling

Die Wirtschaft ist Philipp Schillings Metier. Vor drei Jahren absolvierte der 26-Jährige ein Praktikum bei einem internationalen Handelsunternehmen: "Morgens ins Büro zu kommen, den Dollarkurs und die Börsen zu checken, um dann zu entscheiden, was das für uns bedeutet, war jeden Tag aufs Neue spannend", erklärt der Student der Agrarökonomie. "Ich will wissen, wie wir am besten mit volatilen Märkten umgehen." Bereits seine Bachelorarbeit an der Universität Göttingen wurde von der Fachwelt interessiert aufgenommen. Seine Masterarbeit hat Preissicherungsinstrumente zum Thema. "Wie schwierig eine realistische Preiseinschätzung auch für Branchenexperten ist, zeigt sich in der Suche nach der richtigen Vermarktungsstrategie", sagt er. Darüber hinaus hat er die studentische AG Ackerbau gegründet, unterrichtet als Tutor am Lehrstuhl für landwirtschaftliche Betriebslehre und macht Stipendiumskollegen von der Konrad-Adenauer-Stiftung mit der "modernen Landwirtschaft" vertraut.

Nadine Wettstein

Nadine Wettstein

Nadine Wettstein veröffentlicht regelmäßig in anerkannten wissenschaftlichen Journalen, spricht auf internationalen Konferenzen und erhält Fördermittel von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Ihr Thema ist die Treue. Ihr Forschungsfeld sind neun verschiedene Tiefkühlpizzen. "Wieso kauft ein Mensch immer die gleiche Marke?", fragt die Ökotrophologin, die seit ihrem 18. Lebensjahr vollkommen erblindet ist. Ihre Antworten und Analysen des Einkaufsverhaltens im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) sollen im kommenden Jahr ihre Dissertation am Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) in Halle abschließen. Dort engagiert sie sich neben der Forschung auch in der Lehre. Außerdem betreut sie Praktikanten, Bachelor- und Diplomarbeiten. Die Erkenntnisse ihrer Doktorarbeit möchte die 33-Jährige in die breite Öffentlichkeit tragen. "Fortschritt lebt vom Austausch des Wissens", erklärt sie. Ihr Berufsziel nach der Promotion heißt Wissenschaftsmanagerin.