Förderpreis der Agrarwirtschaft 2010


Foto: Felix Jürgen Holland

Die 'agrarzeitung' (az) zeichnet jedes Jahr die besten Nachwuchstalente der Agrarbranche mit dem Förderpreis der Agrarwirtschaft aus. Dank der Unterstützung namhafter Sponsoren fördern wir die besten Talente mit einem stattlichen Preisgeld. Drei kluge Köpfe haben die unabhängige Jury mit ihren Ideen überzeugt. Lutz Philipp Decker, Wanda Ganders, Cosima-Karolin Niehoff, Natalie Kirchbaumer und Syster Christin Maart.



Lutz Philipp Decker

Lutz Philipp Decker

Lutz Philipp Decker, der in Kiel Landwirtschaft studierte, bewirtschaftet in der Hildesheimer Börde einen Milchviehbetrieb mit Biogasanlage (mehr als 1.000 kW) und Lohnunternehmen. Einen Milchviehstall mit 350 Plätzen ist mitten in der Ackerbauregion Hildesheimer Börde nicht alltäglich. "In meiner Masterarbeit konnte ich nachweisen, dass so etwas durchaus gegen den Trend profitabel sein kann", versichert der Agrarökonom. Die richtige Formel dafür ist die Milk-Feed-Price-Ratio. "Der Milchpreis muss die Produktionskosten bestimmen und nicht umgekehrt." Soziales Engagement ist für den 32-Jährigen selbstverständlich: So mischt er für die CDU im Ortsbeirat mit und ist in mehreren berufsständischen Organisationen präsent. Den eigenen Betrieb behält er stets im Blick. Konkret bedeutet das: Vor sechs Jahren eingestiegen, Lohnunternehmen gegründet, Milchviehanlage ausgesiedelt, Gesamtleistung der Herde auf heute 1,8 Mio. t Milch verdoppelt.

Syster Christin Maart

Syster Christin Maart

Sie weiß, was sie will, und plant ihre Karriere auf zwei Gleisen: Syster Christin Maart untersucht für ihre Dissertation an der Universität Göttingen die Anpassungsprozesse im Strukturwandel des Agrarsektors. Parallel arbeitet die Wissenschaftlerin in einer Steuerberatungskanzlei. Das Wissen aus beiden Quellen mündet in den elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb in Schleswig-Holstein, den sie mit ihrer Schwester gemeinsam weiterentwickelt: Ferkelerzeugung, Ackerbau, Windkraft und Ferienwohnungen ist die breit angelegte Antwort auf den Strukturwandel in der Landwirtschaft. " Mich interessieren die Zusammenhänge zwischen landwirtschaftlicher Praxis und Politik", erläutert die Agrarwissenschaftlerin. Die ehrgeizige Doktorandin hat zudem eine als herausragend bewertete Masterarbeit verfasst sowie Auslandssemester an den Universitäten Olsztyn/Polen und Prag. Hinzu kommen Praktika auf einer Farm in Namibia und im Landwirtschaftsausschuss des Deutschen Bundestages.

Wanda Ganders und Natalie Kirchbaumer

Wanda Ganders und Natalie Kirchbaumer

Sie haben gemeinsam in Mannheim studiert und in der gemeinsamen neuen Heimat Bonn angefangen zu träumen. Von einem Stadtleben mit grünen Oasen, von selbst gezogenem Gemüse und von einer Gemeinschaft, in der der Gartenzwerg zwar erlaubt, Kleingarten-Vereinsmeierei jedoch überflüssig ist. Vor einem Jahr gründeten die 29-jährige Wanda Ganders und die 28-jährige Natalie Kirchbaumer ihr eigenes Unternehmen. Die "Meine Ernte Ganders und Kirchbaumer GbR" vermarktet Äcker als Gemüsegärten in Großstadtnähe. Bisher ist das Angebot in sechs deutschen Großstädten vertreten. Neben der Akquise von Ackerflächen und der Vermittlung an Stadtbewohner kümmern sich die beiden Geschäftsführerinnen Kirchbaumer und Ganders um die Öffentlichkeitsarbeit für die Landwirte und halten Vorträge in Schulen sowie Kindergärten. Das Konzept geht auf: Für Landwirte bieten sich neue Einkommensquellen und für Stadtbewohner eigenes Gemüse aus dem Garten. In zwei Jahren soll sich "Meine Ernte" rechnen.

Cosima-Karolin Niehoff

Cosima-Karolin Niehoff

Cosima-Karolin Niehoff arbeitet als Beraterin für die LMS Landwirtschaftsberatung in Rostock. In drei Jahren will sie gemeinsam mit ihrer Schwester das Gut Bütow, den 1.500 ha großen Betrieb ihrer Eltern, übernehmen. Ein Master in Nutztierwissenschaften, das DLG-Traineeprogramm, zahlreiche Auslandsaufenthalte und ihr politisches Engagement in der Landjugend sorgen für Vielseitigkeit. Die 26-Jährige schaut gerne über den Tellerrand, um für den Betrieb neue Impulse zu bekommen. "Heutzutage ist es weniger wichtig, den letzten Zentner Weizenertrag aus der Fläche rauszukitzeln. Es kommt darauf an, gut zu vermarkten", sagt sie. Die Produkte verlassen möglichst veredelt den Hof. Diversifizierung ist auch für das Gut Bütow wichtig. Aus Mais und Gras machen die Niehoffs Biogas und Milch. Weizen und Roggen werden in der eigenen Brennerei zu Schnaps verarbeitet und ein Teil des Getreides wird als Z-Saatgut vermarktet. Ein Drittel der Fläche dient dem Kartoffelanbau.