Förderpreis der Agrarwirtschaft 2016


Foto: Natalie Färber

Johanna Trautmann, David Engel und Thomas Fabry haben den Förderpreis der Agrarwirtschaft 2016 erhalten. Die agrarzeitung (dfv Mediengruppe) vergibt diese Auszeichnung jährlich an besonders engagierte und erfolgreiche junge Talente im Agribusiness. Eine Wissenschaftlerin, die mit den Vorurteilen gegenüber Ebergeruch aufräumt, ein junger Milchviehhalter, der gerade seine eigene Hofmolkerei aufbaut und nebenbei ein Netzwerk von filmdrehenden Jungbauern knüpft, sowie ein Hans Dampf in allen Gassen, der von Zeitung über Film bis Internet keinen Kanal ungenutzt lässt, um über die Bedeutung der Landwirtschaft zu informieren: Die Profile der diesjährigen Träger des Förderpreises der Agrarwirtschaft sind sehr vielschichtig.
Gemein sind Johanna Trautmann, David Engel und Thomas Fabry einige entscheidende Eigenschaften: Mut, Selbstbewusstsein und die Überzeugung, auch bei Gegenwind den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen. Die Jury zeigt sich beeindruckt von der Kommunikationsleistung und der praxisnahen Herangehensweise der drei Talente, die auf dem traditionellen Gala-Abend der agrarzeitung (az) in Hannover ausgezeichnet wurden.



David Engel

David Engel

Immer wieder dieselben Fragen über die Landwirtschaft beantworten zu müssen, war für den Eifeler Landwirt der Anlass, vor rund einem Jahr den Youtube-Kanal „agriKULTUR“ zu starten. Dort zeigen er und eine Handvoll Berufskollegen in Filmen, wie Landwirtschaft funktioniert. Der 28-Jährige David Engel erklärt als Chef von rund 125 Kühen die Milchviehhaltung. Dabei hilft ihm seine schwarz-bunte Sympathieträgerin „Pebbles“, deren Leben er, angefangen mit der Geburt über das Enthornen und Ohrmarkeneinziehen bis zur Klauenpflege und späterem Milchgeben, regelmäßig in den Videos zeigt. „Ich wünsche mir, dass Landwirtschaft wieder cool wird“, sagt Engel. 2012 hat er sich für die Übernahme des elterlichen Betriebes entschieden. Dadurch reifte die Idee, über die neu geschaffene Marke „Engelshof“ einen Teil seiner Milch selber in der Hofmolkerei zu verarbeiten und zu verkaufen. Die Frischmilch will er ab Hof für etwa 1,30 €/Liter verkaufen. Sich selber will er einen Preis von 35 Cent auszahlen. Die Verhandlungen mit Supermärkten vor Ort laufen noch.

Thomas Fabry

Thomas Fabry

Der 23-jährige Masterstudent ist als Überzeugungstäter auf den verschiedensten Kanälen unterwegs. „Die anhaltend negative Berichterstattung macht den Begriff Massentierhaltung zum Kampfwort. Genau an dieser Stelle wollen wir den Verbraucher packen“, sagt Fabry. Die Liste seiner Engagements ist lang: Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit im Märkischen Kreis, Öffentlichkeitsarbeiter des Vereins „Massentierhaltung aufgedeckt“, Kommunikator auf dem Handy-Nachrichtendienst „Snapchat“, Teammitglied von BUNT, das Inhalte über die Landwirtschaft für soziale Netzwerke liefert, Vorträge, Podiumsdiskussionen, Dorferhaltungsaktivitäten. Fabry kommuniziert aus der Perspektive des Praktikers. Vor allem aber überzeugt er durch seine Person. Ob mit Ferkel auf dem Arm aus dem elterlichen Schweinestall oder ob er ordentlich verkatert das vergangene Dorffest auf Snapchat als „guten Erfolg“ feiert – kurzweilig und geradeheraus kommt er sehr sympathisch daher. Dass er den elterlichen Betrieb mit Schweinehaltung und Ackerbau später übernehmen wird, steht fest. Öffentlichkeitsarbeit ist für ihn dabei so etwas wie ein weiterer Betriebszweig, der die Zukunft sichern soll.

Dr. Johanna Trautmann

Dr. Johanna Trautmann

Die betäubungslose Ferkelkastration ist ab 2019 verboten. So kommt für immer mehr Landwirte auch die Ebermast in Betracht. Johanna Trautmann hat wesentliche Voraussetzungen geschaffen, um die Ebermast praktikabel zu machen. In ihrer mit „Summa cum laude“ ausgezeichneten Dissertation erarbeitete sie umsetzbare Lösungen bei dem umstrittenen Thema Ebergeruch. „Mit unseren Studien zeigen wir, dass eine Qualitätskontrolle umsetzbar ist und mit Sauen vergleichbare Qualitäten geliefert werden können“, sagt die 29-jährige gebürtige Odenwälderin. Und so hat Trautmann ganz praxisnahe Lösungen zur Sensorik entwickelt: Tests, um die Riechleistung von Prüfern objektiv bewerten zu können, und Belege erbracht, dass eine sensorische Qualitätskontrolle auch während des Schlachtprozesses möglich ist, sowie Transparenz bei der Frage geschaffen, wieso chemische Analyse und menschliche Geruchsdetektion voneinander abweichen und was das für zukünftige Qualitätskontrolle bedeutet. Ihr Konzept soll auch in kleineren Schlachthöfen umsetzbar sein.